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Zeitung, 01.08.2001 WEISSENSEE Berlin im Comic Spione mit Block und Zeichenstift: Studenten der Kunsthochschule halten Alltagserlebnisse fest von Stefan Strauss |
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| Markus
Witzel, Ulli Lust, Kai Pfeiffer und Jens Harder (v.l.) gehören zu den
Alltagsspionen von Monogatari. BERLINER ZEITUNG / RICHARD
GABRIEL Die Geschichte, die Jens Harder erzählt, hätte jedem passieren können: An einem heißen Tag nach der Love Parade lag Harder auf der immer noch zugemüllten Wiese im Monbijoupark in Mitte: Eine Kindergartengruppe spazierte vorbei. Die Erzieherin erzählte den Kleinen von den "bösen Menschen", die ihren Müll einfach liegen gelassen haben. Dabei zeigte sie mit dem Finger auf Jens Harder. Die Kinder schauten angeekelt und verständnislos auf den vermeintlichen Umweltverschmutzer. Jens Harder hat diese Episode nicht vergessen. Aus ihr wird der 31 Jahre alte Student für Kommunikationsdesign seinen nächsten Comic zeichnen. Im Kopf sind die Bilder schon fertig. Harder ist Alltagsspion und gehört zur Künstlergruppe Monogatari (Japanisch: Geschichten erzählen). Das sind sechs Studenten der Kunsthochschule Weißensee, die als Comic-Reporter den Berliner Alltag erkunden und in Bildergeschichten festhalten. Mit Zeichenblock, Füller, Bleistift oder Kugelschreiber sind sie in Prenzlauer Berg und Mitte unterwegs. Dort wohnen sie, und dort entstehen auch ihre Geschichten: auf der Karl-Marx-Allee, im Gesundbrunnencenter, in Cafés der Kastanienallee und auch in den Vorhallen teurer Hotels. Die Alltagsspione recherchieren und beobachten ihre Umgebung. Scheinbar unbeteiligt sitzen sie im Café, blättern in Zeitungen oder fertigen Skizzen. Doch in Wirklichkeit belauschen sie ihre Umgebung und zeichnen alles auf. Mit wenigen Strichen und in hoher Geschwindigkeit entstehen die ersten Bilder. Jede Situation ist für die Comic-Reporter einmalig. "Berlin verändert sich jeden Tag und möchte einfach porträtiert werden", sagt Monogatari-Frau Ulli Lust. |
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Markus
Witzel fand keine WG, andere schon. AUS: "ALLTAGSSPIONAGEN" |
Es sind skurrile, lustige und nachdenkliche Geschichten, die die sechs Zeichner jetzt in ihrem ersten Comic-Band "Alltagsspionage" veröffentlicht haben. Die Erstauflage von 500 Exemplaren hat Monogatari fast verkauft. "Die Leute erkennen sich in den Comics wieder und wollen keine fantastischen Geschichten lesen", erklärt Ulli Lust den Erfolg des Bandes. Drei Wochen lang spionierte die 33-Jährige das Einkaufscenter am Weddinger Gesundbrunnen aus, belauschte deren Besucher und unterhielt sich mit ihnen. Oftmals schnappte sie nur kurze Satzfetzen auf: vor Schaufenstern, auf Rolltreppen und Sitzbänken in der Einkaufspassage. "Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen der Werbewelt und der Weddinger Kundschaft", sagt die Comic-Reporterin. Dieser Widerspruch steht im Mittelpunkt ihrer Bildergeschichte. Bei Markus Witzel, alias Mawil, war es die nervige Suche nach einer Bleibe für eine Dreier-Wohngemeinschaft, die den 25-Jährigen zu einer tagebuchartigen Bildgeschichte aus Prenzlauer Berg animierte. Über drei Monate hat Mawil seine Auseinandersetzungen mit Wohnungsbaugesellschaften, Ver-mietern, Hauseigentümern und Freunden aufgezeichnet. "Das einfache Leben im Comic darzustellen, ist doch viel spannender als Sciencefiction oder Abenteuer-Comics", sagt Mawil. Außerdem machten die Beobachtungen das eigene Leben viel interessanter. Mittlerweile arbeitet Monogatari auch als "Illustrationsdienst". Die sechs Künstler übernehmen Aufträge für Comic-Reportagen. Die erscheinen dann in Tageszeitungen oder laufen als Animationen in Videos und im Internet. "Die Möglichkeiten des Comics sind längst noch nicht voll ausgereizt", sind sich die sechs einig. |
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Tim
Dinter, Jens Harder, Ulli Lust, Kathi Käppel, Mawil, Kai Pfeffer
: ALTAGSSPIONAGE, Comicreportagen aus Berlin monogatari 2001 128 Seiten, sw, 12,50 € |