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Spiegel online | 29.12.2003
Eine staatstheoretische Abhandlung mit Sprechblasen darf man
von »Leviathan« allerdings nicht erwarten. Die Arbeit kommt ohne Text
aus, dafür lässt sie den Wal quer durch die Geschichte und durch fantastische
Unterwasserwelten treiben: Leviathan als Bestandteil des ewigen Fressens
und Gefressenwerdens, im Kampf mit Mönchen, Walfängern und Flugzeugträgern.
Als Zuschauer, während die Titanic den Eisberg rammt und am Ende beim
Übergang in eine neue Welt, während in der ursprünglichen nur noch der
Kadaver verwest. Das ganze wirkt oft dunkel und morbide, gar nicht comicmäßig
lustig - das ganze Leben als Kampf auf Leben und Tod gegen Urgewalten
und lebendige Feinde.
Berliner Zeitung |
14.01.04
Die Wogen und Wellen und Ströme und Strudel, die der Wal dabei
hinterlässt, kratzt Harder wie mit stockender Feder in das Papier; wie
geronnene Lava türmt sich das vor wunderbaren Wesen wimmelnde Wasser seiner
Weltmeere vor dem Betrachter auf. Reizvoll sind die Bilderserien in »Leviathan«,
weil sie ihre kulturhistorischen Zitate fortwährend mit den ureigensten
Fantasien vom Ozean mischen - und weil sie fortwährend zwischen dem ozeanischen
Fluss und der notwendigen Erstarrung des abbildenden Zeichens changieren,
zwischen dem Strom der grafischen Gedanken und der ängstlichen Erstarrung
des Blicks angesichts des gewaltigen Tiers.
Tagesspiegel |
21.01.2004
In der Berliner Comic-Szene hat sich Jens Harder einen Namen
als genauer Beobachter des Alltags gemacht. Jetzt zeigt der Künstler,
dass er auch vor großen Themen keine Scheu hat. In seinem jüngst als Buch
veröffentlichten Bilderzyklus »Leviathan« folgt er dem mythologischen
Wal auf seinen Bahnen durch Weltmeere und Epochen. Harders phantastische,
mächtige Bilder verbinden Motive aus Moby Dick und der Bibel, Hobbes'
Leviathan und der Geschichte der Titanic.
Kondensat |
02/2004
Comix werden oft als populäre Kultur beschrieben und als solche
gerne mit dem Film verglichen. So gesehen könnte Jens Harder als deutscher
Hollywoodschauspieler bezeichnet werden, dessen neuestes Werk für einen
Oscar nominiert wurde. Denn Harder hat es nicht nur geschafft, einen französischen
Verleger für sein Comic Leviathan zu finden. Seine Bildergeschichte wurde
auch ungehend für den Preis der Kategorie »Best Graphic Art« auf dem Comicsalon
im französischen Angoulême vorgeschlagen. Beides hat für hiesige Zeichner
einen großen Seltenheitswert.
FAZ |
07.01.2004
Harder ist etwas bislang in Deutschland nicht Alltägliches
geglückt auf opulente und somit zugängliche Weise wird eine komplexe
Geschichte erzählt eine Parabel auf das rauhe Naturgesetz und den ambivalenten
menschlichen Einfluß auf die Welt. Mag diese Botschaft auch etwas schlicht
sein, so sind es Harders Bildsequenzen und seine erstaunlichen ganzseitigen
Kompositionen keinesfalls. Sie verweisen auf zahlreiche Traditionen der
Buchillustration, zitieren etwa Doré herbei und kurz darauf frühneuzeitliche
Seekarten, variieren erwartungsgemäß das Titelkupfer zu Thomas Hobbes´
»Leviathan«, beschwören aber auch Géricaults »Floß der Medusa« herauf.
Zitty |
3/2004
Jens Harder hat seinen Leviathan eingebettet in eine faszinierende
und zugleich düstere Welt unter Wasser: Geschichten vom Leben und Sterben,
vom Fressen und Gefressen werden, vom Kämpfen und von der Zerstörung.
140 Seiten Zeichnungen voller Geschichten und Sinn hinter dem Sinn, beeindruckend
und spannend vollkommen ohne Text.
Taz |
27.02.04
Neun Monate hat Harder für den Leviathan in Bibliotheken, am
Zeichentisch und vor dem Computer verbracht. Die opulente, von Hobbes-
und Melville-Zitaten durchsetzte Wal-Saga fand sofort einen Verlag, wurde
auf dem Comicfestival in Angouleme für den Titelpreis nominiert und schaffte
es sogar in den Spiegel und die FAZ.
Spex |
04/2004
Natürlich ist seit »Moby Dick« alles gesagt und Jens Harder
mußte sich sozusagen damit begnügen, die Geschichten, Fakten und Legenden
um das größte aller Säugetiere zu interpretieren und neu zu arrangieren.
Daraus hat er einen bis auf locker eingestreute Bibel- und Melville-Zitate
wortlosen, über 140 Seiten langen Strom starker Bilder geschaffen, der
in stimmigen Unterwasserimpressionenwie in stürmischen Schlachten die
Grüße, Kraft und Würde des Ungeheuers beschwört, aber auch seinen zermürbenden
Krieg gegen Widersacher wie Kraken und Menschen. Ein imposanter Bilderreigen,
der Jens Harder die Tür zum größten europäischen Comic-Markt öffnete:
»Leviathan« erschien in den Editions de l´AN 2 des französischen Comic-Experten
Thierry Groensteen, wird aber, weil´s ein stummer Comic ist, weltweit
vertrieben.
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